Umstrukturierung zur 41. Flugabwehrraketenbrigade

Ende der 1970er / Anfang der 1980er steuerte der kalte Krieg auf einen neuen Höhepunkt zu und es begann eine neue Phase der Aufrüstung. Auch diese hatte wieder Auswirkungen auf alle Beteiligten der  Verteidigungsbündnisse in Ost und West, so auch auf die DDR, die Nationale Volksarmee und auch das Fla.-Raketenregiment 16.

Den Vorgaben aus den Beratungen des Warschauer Vertrages folgend, beschloss der Nationale Verteidigungsrat der DDR (das höchste Regierungsorgan zu Fragen Landesverteidigung) am 23. November 1979 unter anderem die Einführung des Raketensystems „WEGA“ und die zusätzliche Entfaltung von vier Fla.-Raketenabteilungen „NEWA“ zur Erhöhung der Deckung der Hauptstadt der DDR, Berlin.

Damit einher ging wieder die Zuführung neuer Waffentechnik, die Aufstellung neuer Raketenabteilungen, die Aufstockung des Personalbestandes, die zugehörigen Baumaßnahmen für Unterkünfte und Stellungen an neuen Standorten und die Schaffung der benötigten Nachrichtenverbindungen. Was an den neuen Standorten gebaut wurde und wofür hielt man gegenüber der Bevölkerung und den Militärangehörigen geheim. Auch die Ausbildung der Spezialisten für die neue Technik erfolgte unter großer Geheimhaltung.

Im Jahr 1982 begannen die Bauarbeiten an einem neuen Objekt bei Badingen / Osterne, dem zukünftigen Standort der FRAG-411 mit dem Raketensystem S-200 „WEGA“ (SA-5) (Bauzeit 1982 – 1985). Die Baumaßnahmen für einen neuen automatisierten Gefechtsstand, dem „Bunker Ladeburg“, begannen 1983 (Bauzeit 1983-1985) auf einem freien Feld zwischen den Orten Ladeburg und Lobetal. Ebenfalls begannen 1983 / 1984 die Baumaßnahmen an den zukünftigen S-125 „NEWA“ (SA-3) Standorten bei Schönermark, Fehrbellin, Zachow und Reichenwalde (Bauzeit etwa bis 1985 / 1986).

Am 07. November 1984 erfolgte die Umbenennung des Fla-Raketenregiments 16 zur 41. Fla-Raketenbrigade.

Die Bestehenden vier Flugabwehrraketenabteilungen mit dem Waffensystem S-75 „WOLCHOW“  wurden entsprechend der neuen Struktur umbenannt:

  • FRA-4121, vorher FRA-161 (Fürstenwalde)
  • FRA-4122, vorher FRA-162 (Prötzel)
  • FRA-4123, vorher FRA-163 (Klosterfelde)
  • FRA-4124, vorher FRA-164 (Beetz)

Neu aufgestellt wurden 4 Flugabwehrraketenabteilungen mit dem Waffensystem S-125 „NEVA“

  • FRA-4131 (Schönermark, Einsatzbereitschaft Ende 1986)
  • FRA- 4132 (Fehrbellin, Einsatzbereitschaft Ende 1986)
  • FRA-4133 (Zachow)
  • FRA-4134 (Reichenwalde)

Sowie eine Fla.-Raketenabteilungsgruppe FRAG-411 mit dem Waffensystem S-200 „WEGA“ am Standort Badingen / Osterne mit den Flugabwehrraketenabteilungen FRA-4111 und FRA-4112,.

Die Technik für die FRAG-411 wurde im Dezember 1985 zugeführt.

Auf der Parade in Berlin am 07. Oktober 1985 zeigte die Brigade zum ersten Mal in ihrem Marschblock auch die Raketen des neuen S-125 „NEVA“ Systems.

Am 21. Februar 1986 wurde der Brigade der „Vaterländische Verdienstorden in Gold“ verliehen. Dieser Orden war eine besondere Auszeichnung des Staates und wurde an Personen und Einrichtungen verliehen, die hervorragende Leistungen für die Gesellschaft erbracht haben.

Im April 1986 war die Gefechtsbereitschaft der FRAG-411 mit dem System S-200 „WEGA“ hergestellt. Das erste Gefechtsschießen in der Sowjetunion erfolgte im September desselben Jahres.

Am 01. Dezember 1986 erfolgte die Inbetriebnahme des automatisierten Führungssystems im neuen Gefechtsstand – der „Bunker Ladeburg“ nahm seinen Betrieb auf.

Am 15. November 1989 erhielt die Brigade die Auszeichnung „Bester Truppenteil der Luftstreitkräfte / Luftverteidigung“

Stand Dezember 1989 betrug die Personalstärke der 41. Fla-Raketenbrigade 1701 Mann.

Zur Brigade gehörten

  • 4 Raketenabteilungen ausgerüstet mit dem System S-125 NEVA
  • 4 Raketenabteilungen ausgerüstet mit dem System S-75 WOLCHOW
  • 2 Raketenabteilungen ausgerüstet mit dem System S-200 WEGA
  • 4 Raketenabteilungen in der Mobilmachungsreserve mit SA-75 DWINA

Im Bestand waren:

  • 144 Raketen des Systems SA-75 DWINA
  • 272 Raketen des Systems S-75 WOLCHOW
  • 312 Raketen des Systems S-125 NEVA
  • 66 Raketen des Systems S-200 WEGA
  • 73 Flugabwehrkanonen ZU 23-2
  • 80 Startmechanismen und 280 tragbare Flugabwehrraketen STRELA
  • 4401 Handfeuerwaffen (Pistolen, Maschinenpistolen, Maschienengewehre)
  • 89 Panzerabwehrwaffen
  • 350t Munition

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